Veloblog

Vor Gebrauch kräftig schütteln

16 Aug. 2018 11Uhr

Nein, nein, Schadenfreude ist eindeutig fehl am Platz und wäre auch nicht fair. Man kann sich gut vorstellen, dass nun irgend jemand schwierige Tage erlebt und unangenehme Konsequenzen befürchten muss. Aber als Stoff einer Geschichte* ist das überraschende Verschwinden der Publibikes einfach unwiderstehlich. (Franz)
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Mindestens drei Personen auf Publibikes begegnet Kommissar Studer heute früh auf dem Weg zur Hauptwache. «Alles potenzielle Velodiebe», knurrt er durch seinen buschigen Schnurrbart. Aber nein, protestiert seine innere Stimme, das darfst du nicht einmal denken. Erstens gilt die Unschuldsvermutung und zweitens haben diese Leute das Publikbike ja vermutlich legal geöffnet, einige wenige davon stehen ja noch in der Stadt herum.

Studer betrachtet sein «Crime Board» und beurteilt zum x-ten Mal die verschiedenen Hypothesen. Die Velohändler kann ich wohl ausschliessen. Bei diesem Konkurrenzdruck ist eine konzertierte Aktion kaum denkbar. Studer verschiebt das Bild des Mechanikers, bei dem er das E-Bike für seine Frau gekauft hatte und der dabei wie ein Rohrspatz über die mit öffentlichen Geldern finanzierte Aktion gewettert hatte. Mitten im Blickfeld hängt das Bild der Diebesbande, die ja auch schon beim Gigathlon perfekt organisiert des Nachts die teuren Renner der Wettkämpfer vom Zeltplatz abgeräumt hatte. Aussichtslos, diese erwischt man nie.

Auch verärgerte Fussgänger/innen, die sich nun freuen, dass auf ihrem Arbeitsweg die Ideallinie nicht mehr mit Publibikes verstellt ist, sowie aufgebrachte Autobesitzende, deren Parkplätze vor dem Haus in Veloabstellplätze transformiert wurden, sind wahrscheinlich unschuldig. Obschon hier und dort sicher mal jemand den Ärger mit einem kräftigen Tritt an ein Publibike abreagiert hat und vermutlich nicht einmal bemerkte, wie sich dabei das Schloss öffnete. Dann könnte die ganze Sache schon eher eine politisch motivierte Aktion sein. Wer weiss, wo die Velos wieder auftauchen, vielleicht im Erlacherhof, vor dem Bundeshaus oder auf dem Vorplatz.

Gerne würde Studer wie früher jeweils eine dieser schmalen Brissago Zigarren anzünden, weil das so gut beim Denken half. Allein schon der Gedanke führt ihn jedoch zur Frage: Wie wäre es, wenn wir die Postauto-Leute etwas genauer unter die Lupe nähmen. Vielleicht ist das ja eine getürkte Rücknahmeaktion.

*Die Handlung und die Personen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen sind zufällig.

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