Veloblog

Velogeschichten

Untoter Briefkasten

27 Apr. 2018 09Uhr

Ja, zu diesem Velo gab es schon einmal einen Blog (6. August 2016). Es reizte den Schreiber und den treusten Kommentator WolfoFitz zu poesievollen Vergleichen mit Gedichtzeilen, die wohl manche Leserinnen und Leser einmal auswendig gelernt hatten und einen auch heute beeindrucken. Nun, Blogs sind eher Kurzfutter. Sie werden sich kaum die Mühe nehmen, eine alte Geschichte nachzuschauen. Ich muss Ihnen aber doch deren bemerkenswertes Ende erzählen. (Franz)
Wenn ein Velo die Gedanken wie wild ins Kraut schiessen lässt

An diesem Veloständer komme ich auf dem Arbeitsweg täglich vorbei und manchmal auch am Wochenende auf dem Weg in den Wald. Während des Semesters füllt er sich am Morgen und ist am Abend wieder leer. Erstaunlich, wie brav alle ihre Räder neben das verwahrloste Velo stellen. Es behält praktisch unverändert seinen Platz, als sei es ein Kunstobjekt, unverrückbar am Boden befestigt. Mit einem schon fast unbewussten Seitenblick kontrolliere ich diesen Zustand jeweils im Vorbeigehen. 

Bis zum letzten Sonntag. Mit etwas müden Beinen zurück von der Runde im Bremer fällt mir auf, dass das Velo offenbar verschoben wurde. Das Hinterrand ragt weit unter dem Dach des Veloständers hervor. «Ha, siehst Du, es ist halt schon praktisch, das Telefon dabei zu haben», höre ich, als ich meine Begleiterin bitte, das Velo zu fotografieren. Ich lasse das so stehen, das ist ein anderes Thema.

Aus der Reserve – mindestens gedanklich – komme ich erst diesen Montag. Da ist das Velo nämlich weg. Nach knapp zwei Jahren, einen Tag, nachdem ich es wieder fotografiert hatte. Trotz der frühen Stunde bin ich sofort hellwach. Nein, es liegt nirgends im Gras. Wurde es endlich abgeräumt, vielleicht von diesem mürrischen Abwart, dem ich häufig begegne und der immer wegschaut, statt zu grüssen? Aber weshalb gerade jetzt?

Die Gedanken schiessen wie wild ins Kraut bis hin zur Schlussfolgerung, dass die offene Velotasche wohl chinesischen Agenten als toter Briefkasten diente, um die Forschungsarbeiten in der Biochemie und der molekularen Medizin auszuspionieren. Genau, so muss es gewesen sein. Und ein Spion der Gegenseite hat nun beobachtet, wie ich das Velo fotografierte. Höchste Zeit also, der Geschichte ein Ende zu bereiten.

  • Kommentare

    Franz
    27 Apr. 2018 15Uhr

    Das ist wirklich eine interessante Hypothese! :-)
    WolfoFitz
    27 Apr. 2018 14Uhr

    War es ev. der geheime Briefkasten und das unauffällige Beförderungsmittel von Kim Jong Un als noch in Gümligen zur Schule ging? Jetzt bereitet er es wieder auf um endlich über die Grenze radeln zu können (Das täte Ihm ganz gut). ;-)

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