Erfahrungsberichte

Gigathlon 2016 in Erstfeld

16 Aug. 2016

Freitag nachmittag, bepackt mit einigen Sporttaschen und Velo sitze ich im Zug nach Erstfeld um am diesjährigen Gigathlon die Bikestrecke zu fahren...
die blauen Lippen verraten das es weiter oben wohl doch nicht wirklich warm gewesen sein konnte.

Freitag:

Freitag nachmittag, bepackt mit einigen Sporttaschen und Velo sitze ich im Zug nach Erstfeld um am diesjährigen Gigathlon die Bikestrecke zu fahren. Mir gegenüber sitzt mein Teamkaptain Philipp und erzählt mir von seiner intensiven Vorbereitung und wie sehr er sich freut das es endlich losgeht. Mir geht eigentlich nur eine Frage durch den Kopf: Wieso habe ich mich dazu überreden lassen? Jetzt ist es eh zu spät sich darüber Gedanken zu machen und ich setze auf mein Glück und die Erfahrung das es vor 5 Jahren ja auch schon mal gut gegangen ist. Allerdings habe ich damals wirklich trainiert und die Strecken waren nicht so lang, weniger Höhenmeter sowieso.

In Erstfeld bauen wir erstmal die Zelte auf und schauen immer wieder besorgt auf die Wolken die tief im Tal hängen. MeteoSwiss wird im Minutentakt konsultiert, aber davon verschwinden die Wolken leider nicht.

Nachdem das ganze Team vollständig angereist ist wird noch kurz die Taktik für den nächsten Tag besprochen. Auf jeden Fall durchkommen bevor die nächste Disziplin im Massenstart auf die Strecke geschickt werden muss, unser Teamkaptain hat ganz klare Vorstellungen. Nach dieser Ansage verkriechen wir uns früh in die Schlafsäcke und bald prasselt der Regen so laut auf unser Zelt das ich unseren Gümmeler David kaum noch schnarchen höre.

Samstag:

Renntag! Heute geht es durchs Tessin. Vor Stunden bin ich mit dem Zug von Erstfeld nach Biasca gefahren und stehe jetzt bei vollem Sonnenschein in der Wechselzone, die Blätter glänzen noch vom Regen der erst vor kurzem aufgehört hat. In etwa einer halben Stunde sollte Petra die Inlinestrecke beendet haben. Dank GPS-Tracker kann ich mitverfolgen wo sie gerade unterwegs ist. Gigathlon besteht zum grossen Teil aus warten. Aber seit diesem Jahr weiss man wenigstens wie lange es noch geht. Der Morgen hat mit schwerem Gewitter in Tenero begonnen, die Schwimmer durften nicht in den See. Philipp musste auf die Ersatzstecke, 11 KM laufen. Für ihn eh kein Problem. Weit hinten in der Wechselzone sehe ich Petra die mit einem dicken Grinsen auf mich zu rollt. Schnell den Zeitmesschip und den Tracker übernehmen und schon bin ich auf der Strecke von Biasca nach Airolo. Die ersten Kilometer fliegen schnell vorbei, es geht flach am Fluss entlang. Durch wunderschöne kleinen Ortschaften schlängelt sich der Weg zum ersten Gipfel, dichter an die Wolken heran. Nach zwei Stunden bin ich mitten drin in den Wolken und freue mich über meine Regenjacke die farblich super zu meinem Bike passt. Aber was heisst hier mein Bike? Aschi hat mir extra für den Gigathlon noch ein Cannondale Habit Testvelo besorgt. Das ist nicht nur leichter und grüner als mein Trigger, es passt einfach super auf die Strecke. Trails und Tragepassagen wechseln sich ab und nach über drei Stunden weiss ich das ich auf der letzten langen Abfahrt nach Airolo angekommen bin. In der Wechselzone steht das ganze Team und feuert David an der jetzt über den gerade eröffneten Nufenenpass radeln darf. Wenn er das geschafft hat muss er nur noch über den Furkapass um in Göschenen an Leonie zu übergeben die zurück nach Erstfeld rennen wird. Meinen Tipp genügend Streusalz für die Pässe mitzunehmen hat David aber dann doch ignoriert. Um 22:00Uhr hat Leonie das Tagesziel erreicht und wir sind alle froh gut durch gekommen zu sein. Bald legen wir uns schlafen und Regen trommelt wieder gegen das Zelt.

Sonntag:

Heute geht es durch das Urner Land. Für mich ganz unkompliziert, einmal 1400 Höhenmeter rauf und wieder runter. Auch das Wetter gibt keine grossen Rätsel was man wohl anziehen soll. Es regnet stabil seit Stunden. David erreicht als dritter aus unserem Team die Wechselzone in Erstfeld. Nachdem er heute zweimal über den Klausenpass fahren durfte sieht man ihm die Anstrengung an. Wasser läuft trotz Regenschutz aus seinen Schuhen und die blauen Lippen verraten das es weiter oben wohl doch nicht wirklich warm gewesen sein konnte. Für mich gehen die ersten Kilometer auch Richtung Klausenpass und ich versuche im Windschatten etwas Kraft zu sparen. In Spiringen biegt der Weg dann endgültig ab und es geht steil hinauf zum Grossen Fleschsee. In manchen sehr steilen Anstiegen wünsche ich mir in 28er Kettenblatt, aber eine Hand voll Cliffbars hält meine Beine in Bewegung bis ich den höchsten Punkt des Tages erreiche. Jetzt freue ich mich über einige Becher heisse Boullion bevor ich nach der langen Abfahrt zurück nach Erstfeld Leonie auf ihre zweite Halbmarathon-Stecke an diesem Wochenende schicken kann. Bevor es soweit ist teste ich die Bremsen ausgiebig auf dem Weg zurück zum Talboden. Unten angekommen bin ich zufrieden. Die Finger tun mir nicht weh und der weiterhin gleichmässige Regen wäscht schon mal den gröbsten Dreck ab während ich wieder auf Teer in die Wechselzone fahre.

Leonie spurtet los und kommt schon nach sensationellen 106 Minuten zurück ins Ziel.

Geschafft! Das Team of Five hat den Gigathlon hinter sich gebracht. Im Zug zurück nach Bern fragt Philipp ob ich nächstes Jahr wieder mit dabei bin?

Na klar, höre ich mich sagen.

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